Satellitendaten machen Europas Umweltwandel sichtbar
Satellitendaten ermöglichen einen einzigartigen Blick auf die Veränderungen unserer Umwelt. Zwei aktuelle Projekte der Technischen Universität München (TUM) zeigen, wie wertvoll jahrzehntelange Erdbeobachtungsdaten für die Umwelt- und Waldforschung sind.
EUROLAND: Mehr als 50 Jahre Erdbeobachtung für Europa sichern
Im Projekt EUROLAND wollen die TUM und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) das vollständige Landsat-Satellitenbildarchiv seit 1972 auf deutscher Infrastruktur sichern. Das Landsat-Programm der NASA dokumentiert die Erdoberfläche seit mehr als fünf Jahrzehnten und stellt damit eine weltweit einzigartige Zeitreihe für die Erforschung von Umweltveränderungen bereit. Bislang werden die Landsat-Daten ausschließlich von der NASA bereitgestellt. EUROLAND soll deshalb einen dauerhaften und unabhängigen Zugang für die europäische Forschung ermöglichen. Neben der Sicherung der Originaldaten sollen speziell für europäische Fragestellungen aufbereitete Datenprodukte entstehen, die Forschenden frei zur Verfügung stehen. Eine zentrale Rolle übernimmt die Professur für Earth Observation for Ecosystem Management an der TUM School of Life Sciences unter Leitung von Prof. Dr. Cornelius Senf. Gemeinsam bündeln TUM, DLR und LRZ ihre Expertise in Erdbeobachtung, Datenverarbeitung sowie Speicher- und Recheninfrastruktur.
Europas Wälder verlieren zunehmend Biomasse
Welchen Wert langfristige Satellitendaten für die Waldforschung haben, zeigt eine weitere aktuelle TUM-Studie. Forschende untersuchten die Entwicklung der Waldbiomasse in Europa von 1985 bis 2023. Das Ergebnis zeigt einen deutlichen Einschnitt: Seit 2018 hat der jährliche Biomasseverlust stark zugenommen. Pro Hektar Waldfläche gingen seitdem jährlich durchschnittlich 46 Prozent mehr Biomasse verloren als zwischen 1985 und 2017. Besonders betroffen sind die biomassereichen Wälder Mitteleuropas. Zunehmende Dürren schwächen die Bäume und begünstigen Borkenkäferausbrüche. Hinzu kommen weitere Störungen wie Stürme und Brände. Die Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Rolle der Wälder als Kohlenstoffspeicher. Die Forschenden sprechen sich daher dafür aus, die Waldbewirtschaftung stärker an den Klimawandel anzupassen. Widerstandsfähigere Wälder sollen sich nach Störungen besser erholen und ihre wichtige Funktion als Kohlenstoffsenke langfristig erhalten.
Beide Projekte verdeutlichen, wie moderne Erdbeobachtung zum Verständnis des Umweltwandels beiträgt: Langfristige Satellitendaten machen Veränderungen sichtbar, helfen ihre Ursachen zu verstehen und liefern wichtige Grundlagen für die Waldbewirtschaftung der Zukunft.
Weitere Informationen:
TUM: Beispielloser Biomasseverlust in Europas Wäldern seit 2018
TUM School of Life Sciences: TUM und DLR sichern das Landsat-Archiv für Europa
Titelbild: Dr. Katja Kowalski & Dr. Cornelius Senf (Sebastian Kissel / TUM)

Bild: EUROLAND-Logo mit Satellitendaten von Landsat (NASA)


