Dokumentarfilmer Jan Haft präsentiert neuen Film im Forstzentrum
Jan Haft präsentierte im Rahmen der Seminarreihe Wildtiere am 1. Juli 2019 in der Forstfakultät der Hochschule Weihenstephan Triesdorf seinen neuen Film „Der Bach – Eine kritische Betrachtung über den Umgang mit einem Ökosystem“. Professor Volker Zahner gewann den preisgekrönten Filmemacher und Biologen für die Veranstaltungsreihe.
Gleich zu Beginn stellte Jan Haft zwei Dinge klar: Die Kronen der Bäume, die am Rande des Wasserlaufs stehen, berühren sich mit den Zweigen. Das unterscheidet Bäche von Flüssen. Und nur noch in jedem tausendsten Kilometer Bach kommt das gesamte Artenspektrum vor, das eigentlich zu erwarten wäre. In 96 Prozent unserer Bäche sind die meisten der typischen Tierarten verschwunden.
Der allgemeine Zustand der Bäche ist aus naturschutzfachlicher Sicht schlecht. Trotzdem gelangen Jan Haft unglaubliche Aufnahmen, welche die Vielfalt des Lebens im heimischen Bach im Laufe der vier Jahreszeiten dokumentieren. Faszinierende Makroaufnahmen und extreme Zeitraffer geben Einblicke in das Leben unter Wasser.
Steinkrebse vertreiben mit ihren mächtigen Scheren Rivalen und fluoreszieren bläulich im Dunkeln. Bachflohkrebse, Larven von Köcherfliegen und über hundert Arten von Eintagsfliegen grasen winzige Algen von den Steinen. Ebenfalls winzige Feuersalamander werden unter Wasser lebendig geboren. Dort geht auch der Grubenlaufkäfer auf die Jagd. Knacklaute der Groppen verraten Hochzeitspläne. Ellritzen und Nasen tummeln sich im Bachlauf. Prachtlibellen schwirren über der Wasseroberfläche und Bachmuscheln spritzen Wasser mit ihren Eiern gleich einem Springbrunnen in hohem Bogen.
Die Idylle scheint perfekt, doch zufällig geschieht während der Dreharbeiten eine Abwasser-Havarie. Etwa tausend der seltenen und streng geschützten Groppen sowie zahlreiche weitere Bachbewohner sterben. Bäche sind das ökosystemare Vernetzungselement in unserer Landschaft, erstaunlich schnell erobert das Leben den Bach nach einer der gar nicht so seltenen Gülle-Unfälle zurück. Gravierender schädigt allerdings die reguläre Landnutzung das Leben in den Bächen. Nährstoffeinträge führen zu Übersäuerung der Gewässer. In Folge gehen die Kieselalgen ein, wodurch die Grundlage der Nahrungsnetze im Bach verschwindet.
Zentrales Thema der Diskussion nach dem Film war die Suche nach praktikablen Schutzmöglichkeiten des fragilen Ökosystems. Breitere Uferrandstreifen – hier könnte die Schweiz als Vorbild dienen – wären ein guter Anfang. Jan Haft sieht auch die Bevölkerung und die Politik in der Pflicht Forderungen zu formulieren und durchzusetzen. Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt ist bereits ein erster Schritt getan. Doch auch in der Agrarförderung sollten Naturschutzmaßnahmen lukrativer geregelt werden, sodass Landwirten keine finanziellen Einbußen für Naturschutzleistungen entstehen.
Der volle Hörsaal und die angeregte Diskussion zeigten, dass auch „Randthemen“ bei uns am Forst-Campus auf großes Interesse stoßen.
Arte strahlte die Sendung „Der Bach“ erstmals im April 2019 im deutschen Fernsehen aus. Wer mehr von Jan Haft sehen möchte, kann zurzeit noch im Kino "Die Wiese – Ein Paradies nebenan" anschauen. Als Buch gibt es den dazu passenden Spiegel-Bestseller „Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt“.


